Freitag, 19. Januar 2024

Transatlantik - Part 3

 Tag 14 - 10.1.2024

Traumverhältnisse


Am Morgen dieses Tages beträgt die Reststrecke noch exakt 561sm und ich werde von einem wolkenlosen Himmel geweckt. Gute 5-6 Bft aus ONO und 2-3m Welle lassen den Specht nach Westen rauschen. 
Ich denke drüber nach, dass ich die letzten paar Tage einfach nicht wirklich gut schlafen konnte. Dezenter Kontrast zur ersten Woche. Dennoch fühle ich mich einigermaßen fit. Und angesichts der Restdistanz ist die Motivation somit sehr hoch. 

Um 0824 sichte ich ein zweites Schiff, den Frachter "Asian Empire" (226m). Da seit Beginn des Törns mein AIS transponder immer wieder Probleme hatte, ein GPS Signal zu empfangen, um damit meinen Standort zu ermitteln, beschließe ich kurzerhand den Containerriesen anzufunken, um nachzufragen, ob sie mein Signal wahrehmen. Die Antwort lasst nicht lange auf sich warten man kann mich erkennen. Das gibt Sicherheit. 

Der...

Specht...

pfeift!

Ich Notiere zudem im Logbuch: 
"Wenn die ganze Sache so bleibt -> Ankunft Mo 18.12.2024"

Gedanken zum Tag: 
"Eigentlich sind heute Traumverhältnisse. Stahlblauer Himmel, 25kt Wind und gut sortierte Welle von achtern. Vormittags noch im flow, merke ich am Nachmittag, dass ich ziemlich fertig bin. Die letzten Tage waren anstrengend. Seit den Squalls schlafe ich nichtmehr so gut.
Falle kaum in die REM Phase
Bin vor dem timer wieder munter'
Hole das tagsüber nicht auf. 
Heute viel gedöst, aber nicht wirklich geschlafen. 
Hoffe die Nacht wird besser."

Sargasso-Seegras


Gegen Abend nimmt der Wind etwas ab, denneoch beunruhigt mich ein wenig, dass der Luftdruck über die letzten 8h um 3hPa gefallen ist. Sollte aber nichts dramatisches sein. 

0117: Kurzer Squall bringt massiv Regen. 


Zudem freue ich mich irrsinnig, als mich mein timer aus einem Traum reißt. 
Notiere im Logbuch: 
"REM check - 2h REM besser als 6h dösen"

Tag 15 - 11.1.2024

Endloses Blau

Es stehen noch 444sm auf der Uhr und der Wind frischt auf. Gute 5-6 Windstärken aus ONO.
Leider baut sich wieder eine mühsame Kreuzsee auf. Eine Dünung aus NW, die Passatdünung aus NO und Windwellen aus ONO. 
Dieser Mix lässt den Specht leider 2mal aus dem Ruder laufen. Ich muss etwas die Geschwindigkeit erhöhen, damit, der Windpilot besser agiert. 

Viel Blau

1403: Ich befinde mich nun in meiner finalen Zeitzone, also UTC-4.
1512:  Am Himmel mache ich erste Cirruswolken aus. Die ersten Alarmzeichen einer heranziehenden Warmfront. Ich soll mit meiner Vermutung noch Recht behalten. 
Sonst passiert an dem Tag nicht viel und alles geht seinen gewohnten Gang. 

Um 0115 schmeißt mich eine Welle samt Bettauflage aus der Koje. Auch das abgelegte Steckschot fliegt durchs Cockpit. Etwas verwirrt checke ich dann auch noch das Radar und siehe da, wieder Squalls im Anmarsch. 

Squalls am Radar gut zu erkennen!

0400: Regen, Regen, Regen. Muss den Windpilot auskuppeln, da kaum Wind und denke daran den Motor zu starten. Kaum den Windpiloten hochgeklappt pfeifts mir um die Ohren. Leider aus SO, sodass ich mal vorerst nach NW laufen muss. 

0610: Frontdurchzug mit Böen von 35kt und dazu gesellt sich natürlich Regen.

fasten your seatbelts


 

0644: Die Sonne blinzelt durch die Wolken und die Lage beruhigt sich. Der Wind lässt nach, Regen und Welle bleiben bestehen.

Tag 16 - 12.1.2024

Regen, Sonne und Winddreher wechseln einander ab und ich bin doch wieder mal recht fertig von der Nacht. Am Track möchte man meinen, dass ich total die Orientierung verloren habe, da ja der Windpilot immer zum scheinbaren Wind steuert. 
Werde den heutigen Tag eher in der Horizontalen verbringen. Ich laufe Kurs 270 - dead downwind. 

Auszug aus dem Logbuch: 

"Alter Schwede, wie fertig komma sein. Der heutige Tag ist sehr speziell. Wind, Regen, Sonne wechseln sich ab. Mal Kurs 350, mal 240, so wie der Wind gerade kommt. 
Fahre ja platt vor dem Wind. 
Aber irgendwie is ma des olls Wuascht. 
Ich bin enfach zu kaputt."

Wie schnell Freude und Leid beisammen liegen zeigen die folgenden Zeilen. 
Am Nachmittag hat sich der Wind eingependelt und die Welle gut sortiert. 
Ich bin gerade glücklich. Die Genua ausgebaumt, die Wellen schieben von achtern, kühle Luft + Musik und Kaffee. 
Wetter hat sich wieder beruhigt
Tag 17 - 13.12.2024

Starkwind und Regen verursachen abermals unfeine Verhältniss und der Track sieht auch wieder speziell aus. 
Am Vormittag nehme ich den elektrischen AP in Betrieb, da die schiebenden Wellen zu massiv sind und das Boot immer wieder stark anluvt, wenn wieder eine von schräg achtern andrückt. 
Obwohls nur noch zwei Tage sind, habe ich wieder ein kleines Tief. Der Tag scheint nicht zu vergehen.
Leider komme ich etwas zu weit südlich. Um wieder Höher zu gewinnen und das ohne den Spibaum wegzunehmen , setze ich das Stagsegel und fahre mal für den Nachmittag einen Halbwindkurs gen Norden. Das klappt richtig gut und das Boot ist super ausbalanciert. 

Klapp gut mit dem Stagsegel

Zum Sonnenuntergang stelle ich wieder auf das altbewährte System um und rolle auf das 2te Reff ein. 

etwas gezeichnet

Die Nacht verlauft ganz gut. Eindlich mal kein Squall.
Zudem notiere ich im Logbuch:
"Crazy Dream"
Leider weiß ich nichtmehr was da wohl abgegangen sein muss.  

Tag 18 - 14.1.2024
Endspurt


FINALE - noch 97sm auf der Uhr. 
Ich beschließe schnell das Tempo ziemlich zu drosseln, damit ich nicht mitten in der Nacht ankomme. 
Ich habe ja bereits 3 Tage zuvor beschlossen, nicht zu pushen, sondern das die ganze Geschichte gemütlich zu Ende zu bringen. 
Meine Laune ist im Vergleich zum Vortag ausgezeichnet. Leider fällt wieder mal die Logge aus, aber naja, auch kein Beinbruch.
Daily routine - Positiosupdate 
auf der Papierkarte

Gastland- + Q Flagge 

Am Vormittag widme ich mal ein wenig dem Aufräumen, da sich in den letzten Tagen recht viel Unordnung breit gemacht habe und mir das am Boot richtig auf den Zeiger geht (Ja Mama, ich weiß, zu Hause hat das definitiv nicht so funktioniert). 

Gönne mir ein Bier zum letzten Sonnenuntergang auf See

Alles geht seinen gewohnten Gang und um 2000 beschließe ich wieder den Federnball zu besuchen. 
Ich da habe ich noch 40sm auf der Uhr. Bei meinem Speed von 4kt, sollte sich da wohl noch etwas Schlaf ausgehen, bevors zu nahe an die Küste geht. 

Am Horizont kann ich bereits ein schimmernden Lichtkegel ausmachen. BALD BIN ICH DA. 
Der Federnbal fällt wie erwartet sehr kurz aus, da ich einfach zu aufgeregt bin und die Schaukelei bei der langsamen Fahrt sehr mühsam ist. 

Um 0200 kann ich erste Lichter der Insel feststellen. 
Im Logbuch vermerke ich:
"LANDFALL"

Endlich dämmert es und ich bin bereits dicht unter Land, nur noch 10sm. 

Der letzte Morgen...
...bricht an!
"Flaggenparade"

Ich nehme den Spibaum weg und segle unter Genua bis in die Carlisle Bay. Nach dem Bergen des Segels dreh ich eine Runde rückwärts und siehe da, massiv Seegras verabschiedet sich. 
Herrlich türkisblaues Wasser empfängt mich. 

Anfahrt Carlisle Bay (Barbados)

Um 0800 ist es dann so weit. Der Anker ist auf 5m Wassertiefe gefallen. 
Nach genau 17 Tagen 23h und 30min bin ich auf Barbados angekommen. In meinem Kopf herrscht dezentes Vakuum, kann es überhaupt nicht einordnen. Die zwei  Anlegerbier um 0800 machen es mir da auch nicht leichter, aber die habe ich mir verdient. Danach gehts mal für 3h in die Koje. 

Wohlverdientes Ankerbier

Inklusive Begrüßungskommando 


Fest steht: 
Einer meiner größten Träume ist in Erfüllung gegangen. 
Ich habe den Atlantik auf eigenem Kiel überquert. 




Ein Resümee zu der ganzen Geschichte folgt.


Cheers Woody + Woodpecker 2


















Donnerstag, 18. Januar 2024

Transatlantik - Part 2

 Tag 8 - 4.1.2024


Ojemine, der Blick in den Spiegel offenbart mir einen Boxer, der sich vermutlich in der 11ten Runde befindet. Da muss ich wohl etwas schlaf nachholen. 
0814: Ich reffe aus und segle platt vor dem Wind. 
0832: Nachricht von Martin: "Judith leidet zusehends unter Schlafmangel, hat Kopfweh. Werden heute die Segel schiften, um einen südlicheren Kurs einzuschlagen."
0834: Wetteerinformation von Kendi wie folgt: 

"Wind immer NO/ONO
GW Do 15kn/Fr 20kn ab Sa/So GW 10kn
Ab 44°W ziehts dann gut
Mo+Di GW 15kn
Böen bis Di 20-25kn NO
Dünung: NW 1-1,5m bis Mo
Windwelle: 2m - ab So schwächer

Ziemlich gerädert zieht sich der Tag. Mittags nicht wirklich Lust was zu kochen, daher blanken Reis und eine Portion Asian Instant Noodles. 

1500: Nachdem ich in einer Stunde genau 5x"Gemüse" gefischt habe, gibts endlich ein Petri. 
Jippie, ein Mahi Mahi mit stolzen 85cm. Dieser würde für 6 Personen reichen. Naja, da muss ich wohl haufenweise Fisch mampfen. 
Diesmal gelingt es mir ziemlich gut den Burschen zu filetieren und nach 1,5h ist der Zauber dann inkl. Reinigung des Cockpits erledigt. Ebenso erledigt bin aber auch ich. Das Fischen selbst ist ja recht easy,  aber die Nachbereitung auf dem wackelndem Dampfer gleich dann eher einer Vorstellung im chinesischen Staatszirkus. 

Petri

Filetieren gelingt immer besser

Variante 1: Mahi Steaks


Am Abend nimmt der Wind zu und ich verkleinere die Genua. Danach gibts zwei XXL Steaks Mahi. 
2030 Der Wind brist weiter auf. Gut 6Bft stehen am Tacho. Also die Genua nochmals verkleinern, platt vor den Wind gehn und versuchen zu schlafen. 
Die Nacht selbst ist ganz ok und ich kann einigermaßen Schlaf finden. 

Gerefft durch die Nacht

Tag 9 - 4.1.2024


Hier möchte ich mal wiedergeben, wie so ein Positiosreport, den ich 2x am Tag (0800 und 1800 Ortszeit) notiere, aussieht. 

POS: 14.43N / 40.28W - ONO 5-6 - Welle ~3m - 1/8 Bewölkung - 1020hPa - Etmal 141sm

1140: Ich notiere im Logbuch: "Was ist das für eine elendige Welle. Dünung aus NW, Passatdünung aus O, Windwellen NO-ONO 
Zudem mache ich im Süden erste Cummuli aus die doch ein erhöhtes vertikales Wachstum aufweisen, was nach meinem bescheidenen meteorologischen Wissen bedeutes, dass die Luftschichtungen labiler werden. Komme ich nun in die Zone der durchziehenden Squalls?

Mittags gibts dann Fischstäbchen. Danke liebe Tato für den Tipp mit den Haferflocken. Auch hier gastiert wieder der Zirkus, denn ganz so einfach ist die Angelegenheit dann doch nicht. ABER es zahlt sich aus. Die Kollegen sind MEGA - Notiere im Logbuch "Absolute delicious"



Variante 2: Mahi Fischstäbchen



Am Nachmittag beruhigt sich das Wellenbild und ich vertiefe mich im Buch "Blauwasserrouten" 
Zudem mache ich im Norden, wie im Süden Wolkenbänke aus, welche erstmal nicht bedrohlich erscheinen. Danach spüre ich jedoch wie der Wind zwischen kühl und trocken und warm und feucht wechselt. Das gibt mir die Bestätigung, dass eine Wetteränderung ansteht, auch wenn das Barometer nichts darüber weiß. 

Wetteränderung steht bevor


Also vorsichtshalber für die Nacht mal die Segel kleiner als gewohnt und ich soll recht behalten. 
0232: Ich mache am Radar zwei kleine Squalls aus. Sitze die Situation im Cockpit aus und beide passieren mich in knappem Abstand. 
Um 0400 ist die "Gefahr" gebannt und ich versuche noch eine Mütze Schlaf zu bekommen. 


Tag 10 - 6.1.2024

Wiedereinmal begrüßt mich der Tag mit einer nervigen Kreuzsee. Dazu gesellt sich auch noch Regen und ringsherum schwirren Schauerzellen umher. Also Luke dicht und den Windpiloten arbeiten lassen. 

Meine Nerven werden doch auf die Probe gestellt. Den Specht wirfts hin und her, der Wind ist schwach, die Segel schlagen ab und an. Aaaaber, der Fisch muss verbraucht werden. Deswegen wieder die Akrobatik walten lassen und ab an den Herd. Das Endergebnis: Curry Mahi Wraps.

 
Variante 3: Curry Mahi Wrap

1332: Wechsle auf die Leichtwindgenua ohne ausbaumen und die ganze Lage entspannt sich und ich falle für 1h in einen Semikomatösen Zustand. 
1500: Ich gönne mir den Film über eine Weltumseglung ("Ivalu") und male mir aus, wie es wohl weitergehen wird. 
1717: Wechsle wieder auf die Genua und setze das erste Reff. 

0416: Nachdem eine Schauerzelle vorbeigeschrammt ist, trifft mich die nächste direkt. Der Wind dreht auf, dann kommt der Starkregen und zu guter letzt die fast Flaute. 

Tag 11 - 7.1.2024

0632: Schauerzellen überall. Stehe mit der Regenjacke und Rettungsweste am Steuerstand und beobachte die Lage. Reff 3 + Motor im standby. Nach kurzem heftigen Durchzug, ist um 0730 wieder alles vorbei. 
Squalls...

wohin...

das Auge..

Reicht!


Der Himmel bleibt bedeckt und die Welle, wie soll es anders sein, elendig. 
1042: Logge ausgefallen
1215: Nächste Squall bringt viel Regen und kaum Wind. Danach stellt sich Nieselregen und ziemliche Flaute ein. 
1243: Ich muss wieder ein wenig zu Kräften kommen und starte daher die Maschine und berge das Segel. Das hilft mir sehr und ich kann für 3h gut dahindösen. 

1428: Der Himmel klart auf und im Osten stellen sich wieder Cummuli ein. Demnach hoffe ich wieder auf stabilere Verhältnisse. 

1433: Erste Schiffssichtung 
Ein Tanker namens "Africa Gas" (180m)
Ich funke ihn an und frage Wetterdaten ab,

1452:: Ich bemerke hefitge Vibrationen vom Motor her kommend. Motor STOPP.
Ich kann mir kaum einen Reim machen, aber wenn die Schraube einfach mitdreht, fängt das Getriebe samt Motorblock heftig an zu vibrieren. Checke für einige Zeit die Systeme im Motorraum, komme aber icht dahinter. 
Ich kontaktiere Freunde und Verwandte, damit sie mir durch Recherchen evtl Hinweise weiterleiten könnten. 
Also muss der Motor bis Barbados wohl aus bleiben. 
Pünktlich zum Beginn der Nacht siehts auch wieder nach Regen aus und ich gehe ins zweite Reff. 

Regen im Anmarsch


Die Nacht ist ganz ok und ich bin früh in die Koje. 
Der Wind pfeit mit mehr als 20kt und der Specht pflüge nur so durchs Wasser. Normalerweise hätte ich das Segel verkleinert, aber der Himmel ist klar und die Schiffsbewegungen sehr angenehm. Zudem arbeitet die Windsteueranlage bei höherer Geschwindigkeit einfach präziser

0412: Jetzt wird es doch zu viel und ich gehe ins 3te Reff.

Tag 12 - 8.1.2024

Der Morgen startert wolkenverhangen und wiedermal sind Squalls im Anmarsch. Der Regen und die Böen halten sich jedoch in Grenzen und die Richtung bleibt ebenso konstant. 
Ab 0900 klart es wieder auf, aber im Osten bahnen sich weiter Regenwolken an. Also wieder Reff 2 rein weiter geht es. 

So kann ein Morgen starten


Rene, ein Freund von mir, hat mir den Hinweis gegeben, dass vermutlich eine große Menge an Seegras, am Schaft des Getriebes, die Ursache für die Vibration ist. 

1042: Ich nutze die Gunst der Stunde, krame meine Endoskopkamera hervor und versuche nun den Propeller zu filmen. Die Auflösug ist zwar eher bescheiden, dennoch kann ich klar erkennen, dass da jede Menge Gemüse dranhängt. 
"Fingers Crossed, dass dies der Grund ist."
Endocam

Da hängt was dran


1509: Entdecke einen kleinen Riss an der Hinterkante der Genua. Ich meine, es ist nichts großes, aber angesichts dessen, dass in der kommenden Woche recht gut Wind kommen soll, würde ich das gerne beheben. 
Ich überlege mir, wich das Ding ohne Motor runter und wieder rauf bringe. Also mal zur Probe das kleine Sturmsegel am Vorstag setzen und schaun. Schon Jetzt fällt die Genua ein wenig ein. Das sollt also mit dem großen Stagsegel gut klappen. 


Tag 13 - 9.1.2024 

Die Nacht war überraschend angenehm.Trotztdem habe ich aufgrund der immer wiederkehrenden Squalls eine Grundanspannung, welche mich etwas schwere einschlafen lässt. 
In der Früh mache ich weider recht hochreichende Cummuli um Osten aus. Das deutet wohl wieder auf Regen hin, denke ich mir. 
0908: Ich hisse das Stagsegel und rolle die Genua weg. 
Darauf folgt ein kurzer Schauerdurchzug auf den eine recht windschwache Phase folgt. 

Ich nutze die Gunst der Stunde, starte den Motor, nimm das Vibrieren in Kauf, da ich ihn etwas warmlaufen lassen möchte. Also mal den Rückwärtsgang rein und siehe da, das Gemüse kommt zum Vorschein. Jetzt noch die Probe obs geholfen hat und....... YES -> keine Vibrationen mehr. 
"Heureka" notiere ich im Logbuch. Vielen Dank lieber Rene (Sailing Scirocco) für den Tipp. 

Das Abschlagen des Segels, die Reperatur und das wieder Anschlangen benötigen doch Zeit und gerade Letzteres war dann doch recht knifflig. Aber - Woody made it. Abgefeuert, aber froh über mein Werk döse ich den restlichen Nachmittag vor mich hin.

Stagsegel rauf

Genua runter



Riss lokalisieren

Kleben...

Fertig!

Kaffee verdient











Mittwoch, 17. Januar 2024

Transatlantik - Part 1

 Ab in die Karibik



Tag 1 - 28.12.2023

Zugeben, die Vorbereitungen, gerade was das Einkaufen betrifft, waren dann doch etwas mühsam, dennoch steige ich widererwarten gut ausgeschlafen, recht zeitig aus meiner Koje. 

Noch schnell Brot besorgen und ein paar Vitamintabletten und dann sollt es das gewesen sein denke ich mir. Die letzten Escudos noch in ein Frühstück investiert, bringt mich dann ein Videotelefonat mit der Heimat doch etwas ins Grübeln. Irgendetwas in mir möchte nicht so recht, dass ich losstarte, zu ungewiss ist das, was da kommen mag. Ich schiebe die Gedanken zur Seite und hilf noch Martin und Judith beim Ablegen aus der Box und dem Anlegen an der Tankstelle. 

Dann geht alles ganz schnell. Ich verabschiede mich, spring auf mein Boot und starte den Motor. Dank meines Stegnachbarn Dominique bekomme ich auch noch Erinnerngsfotos. Keine fünf Minuten später fahre ich aus der Box, dreh noch eine Runde bei der Tanke vorbei und dann geht es raus. 

Keine Ahnung, was ich in dem Moment verspüre, auch noch nicht wirklich realisiert, dass dieser Törn doch recht lange dauern wird, vielleicht länger als drei Wochen, bei schwachen Bedingungen. 

Ich setze in der Düse zwischen Santo Antao und Sao Vicente die Genua. Dicht hinter mir die "Spindrift of Hamble" welche ebenso unter ausgebaumter Genua dahinrauscht. 

Es geht in die erste Nacht, recht unspektakulär gibt es Nudel mit Pesto rosso und plötzlich ist der Wind futsch. Jetzt bin ich in der Abdeckung von Santo Antao. Also nochmals den Diesel starten und 1,5h später pfeifen konstante 15-20kt NO. Leider ist mir etwas flau im Magen und die Schlafperformance war auch schon besser. Das liegt an der von Reflexionen und Überlagerungen gebeutelten See. 

"Spindrift of Hamble"

Tag 2 - 29.12.2023

Ziemlich erledigt krieche ich aus meiner Koje, um meinen morgendlichen Kaffee und die obligatorische Schüssel Müsli zu mir zu nehmen. Zudem habe ich 21 riesige Orangen an Bord. Das heißt, jeden Tag gibt es in der Früh frisch gepessten Orangensaft und, wenn keine mehr da sind, sollte ich in der Karibik sein. 

Den ganzen Tag fühle ich mich schlapp und verbringe 90% dösend im Cockpit. Konstante 4-5 WIndstärken lassen den Specht prächtig durch das Wasser pflügen. 

Toast zu Mittag, Tofugeschnetzeltes am Abend, ja es dreht sich der halbe Tag um das Essen und ein paar Funkgespräche mit der "Spindrift of Hamble" später neigt sich der Tag schon dem Ende. 

Gedanken zum Tag:  - Abhaken und weiter

                                      + stolz, dass ich trotz meines Magens gekocht habe. 

First sunrise

Ausgebaumte Genua

Wilson on Tour

Tag 3 -30.12.2023

"Ein Vormittag wie aus dem Bilderbuch" notiere ich im Logbuch. Feine 4 Beafort NO und eine sanfte Dünung lassen mich entspannt in den Tag starten. Zudem hat sich mein Magen beruhigt und nachdem ich wieder die paar Kamikaze Flieger, damit sind die fliegenden Fische gemeint, von Deck schmeiße gibts obendrein noch ein Kübeldusche. Etwas stutzig machen mich aber die spürbaren Vibrationen der Windsteueranlage bei schnellerer Fahrt, als ich dann doch das Vorsegel verkleinere, da Wind und Welle zugenommen habe. 

Ein weiteres Highlight besteht darin, dass ich meinen ersten Mahi Mahi (Goldmakrele) gefangen habe. Zugegeben, es gibt lustigere Dinge, als einen Fisch im schaukelnden Cockpit zu filetieren, aber ein Youtube Video und ein Messerschleifer von Judith tragen das ihre dazu bei, dass es diesmal besser klappt. Der Mahi Mahi ist für mich einer der besten Speißefische und so landen die ersten beiden Filetstücke in der Pfanne. Nach einem kleinen Filmabend und abschwächendem Wind und Welle gehts in die Koje. 

Erster Mahi Mahi (60cm)

Mahlzeit


Tag 4 - 31.12.2023

Ja es ist Silvester, doch davon merke ich hier nicht wirklich viel. Korrigiere den Kurs etwas nach Süden, damit ich besser vor den Wellen ablaufen kann. 

Um 1000 Uhr meldet sich Martin über UKW bei mir. Ich habe sie auf dem AIS verloren. Leider bemerke ich, dass das GPS Signal immer wieder gestört ist und ich meine Position somit nich senden kann. Sie sind 40sm von mir entfernt, weiter im Norden, defür etwas weiter im Westen. Wir wünschen uns noch einen Guten Rutsch und tauschen Wetterinfos aus. Wie vorhergesagt, wird der Wind am Nachmittag schwächer, was mich veranlasst das "Zirkuszelt" zu setzen. Das benötigt eine gefühlte Ewigkeit, doch dann fliegt es. Nach Durchsicht der Montageanleitung meines Windpiloten fällt mir auf, dass ich die Neigung des Pedelruders etwas verändern muss. Zweifach gesichert geht es mit einem Imbus bewaffnet auf die Badeplattform und 20min später ist das ganze Werk zu Ende. 

Ich hoffe damit werden die Vibrationen ein Ende haben. 

Den Abend vebringe ich damit, meinen engsten Freunden und Verwandten einen Guten Rutsch zu wünschen (mittels Inreach) und verschlafe auch noch prombt den Neujahrsbeginn. Naja soll schlimmeres geben. 

Stimmung Gut


Tag 5 - 1.1.2024

Der Tag begrüßt mich mit Sonne und 3 Windstärken aus ONO. Es is angerichtet für die Kübeldusche und wie es der Teufel so will hat Neptun nun den Eimer. Der löst sich nämlich vom Seil und weg ist er. Gott sei Dank gibt es einen zweite Eimer an Bord und so wird kurzerhand DIY eine neue Kübeldusche gezaubert. Leider lässt der Wind an dem Tag zu sehr nach und das Schlagen selbst des Leichtwindsegels wird einfach zu heftig. Also werfe ich für 3h den Jokl an, ehe sich wieder eine brauchbare Brise einstellt. 

Erstmals macht sich etwas Lustlosigkeit und Demotivation breit. 

Gedaken zum Tag: 

"Des is jo noch eeewig..."

"Gerade keine Lust...." 

Mit einem Espresso und ein wenig Gitarre Klimpern komme ich auf andere Gedanken und belohne mich danach noch mit einem weißen italienischen Speck. 

Abends gibts Rösti und der Wind wird auch konstanter. 

Kübeldusche
Vormittagsjause

Abendstimmung


Tag 6 - 2.1.202

Bei meiner routinemäßigen Kontrolle der Wanten/Stagen und den dazugehörigen Beshlägen fällt mir eine kleine Kerbe an einer Pressung auf. Dabei handelt es sich um die backbordseitige Oberwant. Kann mir keinen Reim draus machen, aber es beunruhigt mich, ist das Ding doch ziemlich wichtig, dass der Mast ordentlich steht. 

Da ich für etwaige gebrochene Verstagungen ein Stück dynema und Edelstahl Klemmen an Bord habe, ist die Stelle ziemlich rasch zuätzlich gesichert. Ich kontaktiere ein paar Segelfreunde via Inreach und wir kommen zu dem Entschluss, dass ich soweit nichts weiteres tun kann. Nachdem der Wind von hinten ins Segel drückt, ist die Last ohnehin nicht die höchste. 

Der restiche Tag verlauft wieder minutiös getaktet:

Hörbuch Vormittags

Rösti zu Mittag

Last one Laughing zur Siesta

1500 Kaffeezeit+Gitarre klimpern

1600 Gammeln

1700 Nudel Kochen

1830 Nudel mit Bolgnesesauce essen

Danach Reff1

2130 Gute Nacht

Gedanken zum Tag

- Hab mir die Atlantikwelle gleichmäßiger vorgestellt

-Strecke scheint noch endlos

+ Gitarrespielen hebt die Stimmung

+ Kann mich gut zum Kochen motivieren

+ Nächstes Zwischenziel -> "halftime show"

Morgenritual Orangensaft

Wichtig, dass dia Jause locht

Klimpern hilft um auf andere Gedanken zu kommen


Tag 7 - 3.1.2024

Habe wieder sehr gut geschlafen und fühle mich sehr erholt. Mir fällt auf, dass ich seit dem 3ten Tag nun kein Schiff mehr am AIS ausgemacht habe. "Kein Mensch do herausn"

Mich erreicht die tägliche Nachricht und sie haben sich bereits rund 90sm abgesetzt. 

1015: Entwarnung! Die Kerbe an der Pressung ist kein Riss, sondern einfach eine Riefe, welche anscheinend beim Pressvorgang entstanden ist. Alle anderen Pressungen weisen nach erneuter Durchsicht gleiche Kerben auf. Also wieder runter mit den Klammern und dem Dynema und ich kann aufatmen. 

Es wird wieder mal gekübelt und danach die obligsatorische Vormittagsjause einverleibt. 

Diesmal: Vollkornbrot mit Thunfischaufstrich und Paprika -> ein Gedicht. 

Zudem beende ich mein erstes Hörbuch "Zwetschkendatschikomplott"

Fortuna ist heute leider nicht auf meiner Seite. 3 Mahis gehn mir vom Haken. Dazu 4 "Fake Bisse" wo ich genau Seegras fische. 

Um 1917 rolle ich die Genua aufs erste Reff und um 2032 aufs 2te. Wind ist genug und leider entwickelt sich eine elendige Kreuzsee, was mich ziemlich um den Schlaf bringt, den Specht schmeißt es hin und her, ist quasi ein Spielball vom Ozean und ich wechsle etwas entnervt um 0330 Uhr auf den Boden und kann dort dann etwas Schlaf finden. 


Dinner with a view

Alles wieder auf Anang


Tuamotus - Part 1

"Kon Tiki -  Anchorage" - Raroia Die Tuamotus sind für mich der Traum der Südsee, flache Korallenatolle mitten im Südpazifik. Dazu...